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Abb. 1: Das Schilfboot ABORA II voll am Wind. Zum ersten Mal konnte ein altertümlicher Rahsegler eine Hin- und Rückfahrt über das Meer vollführen.

Wo liegen die Wurzeln der Seefahrt? Befuhren schon die Menschen der Steinzeit die Ozeane? Und wenn ja, wie konnten sie auf der Weite der Meere navigieren und sich orientieren? Antworten auf diese spannenden Fragen der Seefahrtsgeschichte und Archäologie möchte dieses Buch liefern. Fünfunddreißig Jahre nach dem Thor Heyerdahl mit dem Papyrusfloß RA II den Atlantik überquerte, ist die Frage durchaus berechtigt: Warum mit einer neuen Schilfbootexpedition das Meer befahren?

Thor Heyerdahl hat uns mit seinen Seereisen zwar eine vage Vorstellung von den maritimen Fähigkeiten früher Kulturvölker vermittelt, unter Wissenschaftlern aber allenfalls Erstaunen, jedoch kein Umdenken ausgelöst. Obwohl Thor Heyerdahl 6.000 km über das offene Meer von Marokko bis Barbados zurückgelegt hat, kritisieren die meisten Archäologen bis heute, dass er mit seinem Papyrusboot nur vor dem Wind und mit den vorherrschenden Strömungen über den Atlantik segelte.

Sollten prähistorische Kulturen der Alten Welt tatsächlich irgendeinen kulturellen Einfluss auf die vorkolumbianischen Zivilisationen ausgeübt haben, mussten sie zuerst das Mittelmeer überqueren, um den Atlantik überhaupt zu erreichen. Das impliziert jedoch, dass die ersten Schilfboote fähig waren, quer und gegen vorherrschende Winde zum Ausgang des Mittelmeeres zu navigieren. Im gesamten Mittelmeer herrscht jedoch aufgrund der Westwinddrift überwiegend ein Wind aus Nord bis Nordwest, gegen den die nach altägyptischen Vorbildern gebaute RA II nicht zu steuern gewesen wäre.
Aus diesem Grund möchte der Autor auf der Grundlage umfangreicher Studien an vorägyptischen Felsbildern beweisen, dass bereits prähistorische Seefahrer mit ihren Schilfbooten das Mittelmeer auf festgelegten Routen befuhren.

Erstmals in der Neuzeit führte ein besegeltes Schilfboot eine gezielte Hin- und Rückreise durch. Als Experimentalarchäologe mit jahrelangen Erfahrungen im Schilfbootbau leitete der Autor die Expedition und wurde von zwei norwegischen Skippern, Arne Osmundsvaag und Hans-Erik Hansen, auf dieser zweiten ABORA Expedition unterstützt. Die Mannschaft der ABORA II bestand hauptsächlich aus Deutschen und Norwegern. Je ein Bolivianer, Marokkaner und Ägypter komplettierten die Crew. Auf einer zweimonatigen Expedition segelten sie zusammen 1.164 Seemeilen und erlebten dabei alle Abenteuer, die man von einer Seereise im Kielwasser prähistorischer Seefahrer erwartet. So wurde die ABORA-Besatzung beinahe von der israelischen Navy aufgebracht, erlitt bei einem Sturm einen Rahbruch vor der zypriotischen Küste und musste eine Reihe anderer Abenteuer bestehen, ehe sie nach Alexandria zurückkehrte.

Das Team sammelte dabei eine Vielzahl neuer Erfahrungen und machte erstaunliche Entdeckungen, über das Wissen und die Techniken frühzeitlicher Hochseefahrer. Das Schiff, die ABORA II, erwies sich dabei als unglaublich manövrierfähig und erreichte mit der Seitenschwert-Segeltechnik Kurse, die Wissenschaftler selbst antiken Handelsseglern nicht zutrauen.

Der erste Buchteil beschreibt die archäologischen Hintergründe und nimmt sie mit auf die abenteuerliche Seereise über das windige Ostmittelmeer. Die Fahrt der ABORA II führte von Alexandria in den Libanon und von dort auf die Kupferinsel Zypern. Die Rückreise ins Niltal wurde zum spannendsten Teil der Expedition und lieferte wichtige Ergebnisse, um das Vermächtnis unseres großen Vorbildes Thor Heyerdahl zu erfüllen. Die Fahrt der ABORA II eröffnet für die archäologische Forschung völlig neue Fragestellungen über die Eroberung der Weltmeere durch prähistorische Kulturen.

Zu diesem Schluss gelangt auch der Astroarchäologe, Kai-Helge Wirth, der sich dem Studium der Sternbilder verschrieben hat. Er entdeckte ein uraltes Orientierungssystem, das erstmals den Ursprung der Sternbilder schlüssig erklärt. Für Kai-Helge Wirth sind die Sternbilder keine Götter und Heroen. Sie stellen seiner Meinung nach Strömungs- und Küstenverläufe dar. In einer Art "Mind-Memo-Technik" haben bereits die Menschen vor der letzten Eiszeit bestimmte Sterne miteinander verbunden, um sich so Orientierungshilfe zu schaffen.

 

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Abb. 2: Die Sternbilder – Ein Sternbildatlas der Frühzeit?

Seefahrende Menschen, selbst wenn sie sich immer in Küstennähe halten, müssen sich orientieren können – eine Fähigkeit, die unabdingbar bei jeder Art von Wanderung ist. Mit anschaulichen Graphiken dokumentiert der Autor, dass Teile des so genannten Tierkreises viel älter als vermutet sind und möglicherweise den gesamten Seeraum vom Ostmittelmeer bis auf den offenen Atlantik kartographieren.

Seine Forschungen beweisen damit nicht nur indirekt, dass Seereisen zwischen Europa, Afrika und Amerika schon in der Steinzeit stattgefunden haben, sondern auch, mit welch hoher Präzision sich die Seefahrer auf dem Meer orientierten.

Das entdeckte System von Sternbilden gibt uns einen tiefen Einblick in die ausgereiften Methoden, mit denen bereits Menschen der Vorzeit Hochseenavigation betrieben. Die ABORA II Expedition verbindet beide Forscher, denn die Seereise des vorägyptischen Schilfbootes erfolgte entlang des Sternbildes der Jungfrau. Sie lieferte unerwartete Ergebnisse über die Nutzung der Sternbildnavigation als Orientierungshilfe.

Die beiden Autoren Dominique Görlitz und Kai-Helge Wirth wünschen Ihnen viel Spaß und gute Unterhaltung beim Lesen dieses Buches.

Dominique Görlitz und Kai-Helge Wirth